Güstrow: 200 bei Flüchtlingskundgebung gegen Rassismus und für Flüchtlingsrechte; versuchter Neonazi-Angriff

01.06.2015 10:11

In Güstrow protestierten gestern bei einer Kundgebung unter dem Motto "Wir wollen Frieden und Glück" 200 Menschen, darunter viele in Güstrow lebende Flüchtlinge, Unterstützerinnen und Untersützer aus verschiedenen Städten Mecklenburg Vorpommerns sowie Güstrower Bürgerinnen und Bürger. Anlass für die Kundgebung waren die alltäglichen rassistischen Erfahrungen und Anfeindungen vieler Flüchtlinge. Zudem formulierten sie einen Forderungskatalog für mehr Flüchtlingsrechte und bessere Lebensbedingungen. Währenddessen versuchte eine Gruppe von Neonazis, darunter der sich auf Bewährung befindende NPD-Stadtvertreter Nils Matischent, die Kundgebung anzugreifen. Anwesende Unterstützerinnen und Unterstützer verhinderten den Angriff.

"Wir sind froh darüber, dass wir selbst über unsere Situation in Güstrow öffentlich sprechen konnten. Wir wollen mitreden und den Güstrowern zeigen, wer wir sind, warum wir hier sind und woher wir kommen. Wir wollen hier mit ihnen in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben. Vielen von uns ist das aber nicht möglich. Stattdessen erleben wir beinahe täglich Rassismus, Anfeindungen und Ablehnung. Das wollen wir nicht einfach weiter akzeptieren. Der Angriff auf die Kundgebung kam für uns nicht unerwartet, dennoch sind wie schockiert darüber. Umso mehr fordern wir von der Stadt ein deutliches Bekenntnis zu den in Güstrow lebenden Flüchtlingen", sagt Khalid Mohammednur, ein Sprecher der Flüchtlinge in Güstrow, der sich wünscht, dass dennoch die Forderungen der Flüchtlinge im Mittelpunkt stehen und nicht der Angriff der Neonazis.

"Wir fordern darüberhinaus bessere Lebensbedingungen für Flüchtlinge in Güstrow: mehr Platz pro Person und Zugang zu Internet in den Heimen, mehr Sozialarbeiter für alle Flüchtlinge in Güstrow, mehr professionelle Dolmetscher für Arztbesuche und Behördengänge. Langfristig fordern wir, Flüchtlinge in Wohnungen statt in Heimen unterzubringen. Wir wollen aber auch darüberhinaus uns mit allen anderen Sozialschwachen solidarisieren und uns für ein solidarisches Miteinander aller in Güstrow einsetzen", so Mohammednur weiter.

Weitere Forderungen richteten sich an die Bundesregierung und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: schnellere Bearbeitung der Asylverfahren, das Anhören der Fluchtgründe von jedem Asylsuchenden und eine Ende des Dublin-Systems, Abschiebungen – ob innerhalb der EU oder in die Herkunftsländer - zu stoppen, besseren Zugang zu Arbeit, Ausbildung, Praktika, eine gleichwertige medizinische Versorgung, Deutschkurse für alle vom ersten Tag an und einfacheren und schnelleren Familiennachzug.

Der Aufruf zur Kundgebung wurde landesweit öffentlich unterstützt durch das Bündnis "8. Mai Demmin nazifrei", Ajuku e.V. Stralsund, die Antirassistische Initiative Rostock (A.I.R.), dem AStA der Universität Rostock, Initiative "Güstrow Global", Jusos Landkreis Rostock, Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen - Kreisverband Güstrwo, Medinetz Rostock e.V., der Kampagne "MV für Kobané", "MV für alle", das Bündnis "Rostock nazifrei", Stop racism, der Basisorganisation Rostock von VVN-BdA MV (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten), dem Rostocker Friedensbündnis sowie zahlreichen Einzelpersonen wie Imam Jonas Dogesch (Sprecher von Migranet), Dr. Hikmat Al-Sabty - Landtagsabgeordneter und migrationspolitischer Sprecher Die Linke) und Eva-Maria Kröger und Carsten Penzlin (Kreisvorsitzende der Partei DIE LINKE).

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